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projekte & filmreihen

Fremdbilder

Gestaltung der Reihe und Betreuung der Aufführungen durch 
die Ethnologen Dr. Michael Prager und Guido Sprenger M.A.
- Juli 1999 -

Das Thema dieses Projektes ist die Begegnung mit dem Unbekannten, dem Fremden, dem ganz Anderen, sowohl durch eine eigene Reise wie auch durch die Ankunft des Fremden im Bereich des Vertrauten. Dabei soll gezeigt werden, in weichen Formen das imaginiert wird, was jenseits des Alltäglichen und Bekannten liegt. Der Schwerpunkt soll dabei auf Filme der Populärkultur gelegt werden, um auf diese Weise Einblicke in die Vorstellungen unserer eigenen Kultur über das Fremde zu gewinnen.

Die Grundhaltung zum Fremden reicht bei den ausgewählten Filmen von vollkommener Ablehnung und Dämonisierung über Faszination für das andere bis hin zu offener Romantisierung und Erhöhung zur Utopie und zur Erlösung. Wie auch immer das Fremde dargestellt wird, die Hauptfiguren durchleben stets eine Phase der Ambivalenz und der Infragestellung der eigenen Position. Eben durch diese Infragestellung aber wird das Eigene konsolidiert und oftmals erst bestätigt. Dementsprechend enden die Filme häufig mit einem Zustand der Disintegration: mit Tod oder Untergang des Helden, oder aber mit der Zerstörung des Fremden. Daneben sollen jedoch auch Beispiele von (separater) Koexistenz gezeigt werden.

Dabei wird bewußt keine Unterscheidung gemacht zwischen fremden Völkern und Kulturen, die eine Existenz außerhalb des Films haben, und reinen Fantasien, wie z.B. Außerirdischen. Gerade bei Filmen, welche eine Begegnung mit Aliens thematisieren, treten Ideen über das Fremde in besonders konzentrierter Form hervor, sei es als Dämonsierung (“Star Trek: Der erste Kontakt”) oder Erhöhung (“2001  Odyssee im Weltraum”, “Solaris”) des Anderen. Auf diese Weise soll verdeutlicht werden, daß sich auch Filme über konkret existierende andere Kulturen weniger als Versuche der Kulturverständigung werten lassen, sondern vielmehr intensive Projektionsflächen von Ängsten und Sehnsüchten darstellen, die wesentliche Bestandteile der modernen westlichen Kultur sind. Dabei ist besonders in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren zu beobachten, wie schriftlose, “primitive” Kulturen dazu dienen westliche Sehnsüchte nach Authentizität und Naturverbundenheit zu thematisieren (John Boormans “Der Smaragdwald”, “Medicine”, “Der mit dem Wolf tanzt”).

Die Feststellung, daß das Fremde im Film oft als das unerkannte, ausgelagerte und geleugnete Eigene erscheint, führt auch zu einem verwandten Sujet, bei dem die Reise ins Unbekannte zugleich auch als eine Reise ins Selbst porträtiert wird  eine Reise, die zu einer Deformation von Zivilisation und Vernunft führt (Peter Weirs “Mosquito Coast”), hinein in einen archaischen Wahnsinn (“Aguirre  der Zorn Gottes”, “Apocalypse Now”), bis zur Transformation der Person und Identität (Ken Russells “Der Höllentrip”). Das Fremde kann dabei für Todestrieb und Aggression stehen, aber auch für unterdrückte erotische Potentiale, die die Infragestellung der gesicherten Identität der Hauptfiguren bewirken (der starke homosexuelle Subtext von “Lawrence von Arabien”; David Cronenbergs “M. Butterfly”; “Die Reise nach Indien”).

Bei der Präsentation der Filme soll das Spektrum von Angst bis Sehnsucht in seine verschiedenen Aspekte differenziert werden: Wahnsinn und Tod der Identität; sexuelle Entgrenzung; Sehnsucht nach archaischer Ganzheit; spirituelle Erfüllung. Einen besonderen Stellenwert erhalten dabei die Ausgänge des Kontaktes: Von gewünschter Auslöschung (“Star Trek: Der erste Kontakt”) über die tragische Katastrophe (“Medicine Man”) bis zur Auflösung im anderen (“Solaris”, “2001”, Jim Jarmuschs “Dead Man”).

Besondere Aufmerksamkeit sollen dabei jene wenigen Filme erhalten, in denen das Fremde ambivalent dargestellt wird und die Möglichkeit eines getrennten, aber fortdauernden Nebeneinanders von Eigenem und Fremdem angedeutet wird: so